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Fotos: Elisa Rössler, René Liebert, Herbordt/Mohren

Das Stück

‚Das Stück‘ dokumentiert und gründet eine fiktive Institution. In unterschiedlichen Formaten für Zuschauer_innen und eine Publikation wird ‚Das Stück‘ aufgeführt. Als Mehrkanal-Videoinstallation, Performance oder Audio-Walk. Zuschauer_innen begegnen einem juristischen Kommentator, dem Vortrag einer Schauspielerin oder sich selbst beim Lesen, Pausieren und Flanieren. Sie fahnden nach den Spuren einer fiktiven Institution und werden zu deren eigentlichen Protagonist_innen. In Kunstgalerien, einem zwischengenutzten Wohnraum, auf Theaterbühnen oder Marktplätzen. Die Grenzen zwischen dem, was war und dem, was sein wird, verschwimmen.

Ausgezeichnet mit dem Stuttgarter Theaterpreis 2013

„Würde jetzt die Sonne erlöschen, blieben uns 8 Minuten und 31 Sekunden, bis der letzte Lichtstrahl die Erde erreicht. Diese apokalyptische Perspektive nutzt das Künstlerpaar Herbordt/Mohren für seine performativen Universalinventuren. Dabei laden jene angenommenen 8 Minuten und 31 Sekunden immer wieder dazu ein, noch einmal ‚alles was ich habe‘ in neuem Zusammenhang zu betrachten und daraus eine andere Zukunft zu entwerfen. In ihrer aktuellen Projekt-Serie ‚Das Stück‘ dient ein seitenstarkes Schriftstück für jede Aufführung als Vorlage. An alle Gäste der Inszenierungen verteilt, setzt ‚Das Stück‘ auf die Gemeinschaft der Lesenden und macht sie, wieder und wieder, für immer neue 8 Minuten und 31 Sekunden, zu Beziehungsstiftern, Herstellern von Zusammenhängen, zu temporären Mitbegründern einer fiktiven Institution. In ihrem Zentrum steht ‚das Versprechen eines anderen gesellschaftlichen Zusammenhangs, das Modell einer Institution, die integriert, was ausgeschlossen war und doch vorübergehend bleiben muss, um nicht selbst wieder autoritär zu werden‘. Die zweiteilige Adaption ihres Projekts für Zuschauer_innen und eine Publikation wird von Herbordt/Mohren eigens für den Mousonturm entwickelt.“ (Marcus Dross)

Aus der Begründung der Jury anlässlich der Vergabe des Stuttgarter Theaterpreises 2013: „Wir sind gekommen, um das ‚Das Stück‘ (Intervention) vom Künstlerpaar Herbordt/Mohren zu sehen. Der Schauplatz der Handlung, den wir nur in kleinen Gruppen und zögerlich betreten, ist die Bühne selbst. (...) Die erste Kontaktaufnahme erfolgt mit dem Künstlerpaar höchstselbst, das uns mit MP3-Playern ausstattet, technische Anweisungen erteilt und uns freundlich lächelnd auf die Bühne schickt. Ein seitenstarkes Konvolut, selbst ‚Das Stück‘ genannt und uns im praktischen Stoffbeutel als weiteres Requisit mit an die Hand gegeben, dient im folgenden als Vor-Schrift und Begleittext. Und während wir im ‚Stück‘ blättern und dabei den Klängen, Informationen und Handlungsvorschlägen auf unseren Kopfhörern lauschen, gerät das Jahrtausende alte Kulturphänomen ‚Theater‘ auf rätselhafte Weise in Bewegung, verflüchtigt sich zwischen und inmitten all der Anwesenden, um sich zugleich, wie eine Ahnung, erneut, vielleicht aber auch zum allerersten Mal, zu etablieren, einzustellen, uns zuzugesellen. Die Bedingungen, unter den all dies geschieht, sind dramatisch: 8 Minuten und 31 Sekunden Sonnenlicht wären es, die uns letztmalig bleiben, sollte die Sonne jetzt, in diesem Augenblick erlöschen. Ein letztes Mal 8 Minuten und 31 Sekunden Sonnenlicht, um zu lesen, zu beobachten und zu hören und um von einer (vielleicht sogar nur angenommenen) Wahrnehmung aus für einen Moment, in den unerforschten Spielraum einer ‚unbestimmten Zukunft‘ hinein, eine Welt, eine Gesellschaft, ein ‚Stück‘ Theater neu zu konstruieren, neu zu konstituieren.“

Presse

„‚Das Stück‘ von Herbordt/Mohren ist eine mehrteilig angelegte Untersuchung dessen, was wir unter Theater verstehen oder verstehen wollen. Es geht dabei um das tradierte Bild, die gesellschaftlich sanktionierte Vorstellung der historisch verankerten Institution vom Spiel auf der Bühne. Melanie Mohren und Bernhard Herbordt zerlegen dazu die Theaterschublade in ihre einzelnen Bestandteile und lassen den Zuschauer sich sein eigenes Schauspiel bauen. ‚Das Stück‘, das jetzt im Rahmen des Wunder der Prärie Festivals zwei Tage lang auf dem Mannheimer Paradeplatz gastierte, sucht sich seinen Spielplatz im öffentlichen Raum. Versteckt unter Passanten und ihren Wegen durch die Stadt begibt sich der Zuschauer, ausgestattet mit Kopfhörern und der gedruckten „Stückfassung“, auf einen 45-minütigen Tauchgang in den städtischen Alltag. ... In fünf strikt getakteten Episoden von 8 Minuten und 31 Sekunden schicken sie einen direkt zu den Wurzeln des Theaters und positionieren den Zuschauer in den Mittelpunkt.“ (Mannheimer Morgen, 21.09.2013)

Konzept, Text, Regie, Ton, Video: Melanie Mohren und Bernhard Herbordt. Mit: Katharina Zoffmann und Emanuel V. Towfigh. Raum: Leonie Mohr und Hannes Hartmann. Licht, Technik, Programmierung: René Liebert, Roman Scheffner. Videobearbeitung: René Liebert. Grafische Gestaltung: Demian Bern. Mitarbeit und Lektorat: Viola van Beek. Mitarbeit und Produktionsassistenz: Juliane Beck und Sabrina Glas.

‚Das Stück‘ ist eine Produktion von Herbordt/Mohren, gefördert durch den Landesverband Freier Theater Baden-Württemberg e.V. aus Mitteln des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst Baden-Württemberg und durch den Fonds Darstellende Künste e. V., in Kooperation mit: Akademie Schloss Solitude Stuttgart, Arttours Stuttgart, C60 Collaboratorium Bochum, Die Junge Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, Festival Wunder der Prärie 2013, Frankfurt LAB, Künstlerhaus Mousonturm Frankfurt, Künstlerhaus Stuttgart, Tanzpanorama 2012 / Rough Cuts Festival, zeitraumexit e.V. Mannheim, u.a.

Das Stück (dt./engl., 220 S.) bestellen

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